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Walter Müller-Seidel: Rechtsdenken im literarischen Text. Deutsche Literatur von der Weimarer Klassik zur Weimarer Republik. Hg. von Gunter Reiss. De Gruyter, Berlin 2017. 224 Seiten, 99,95 Euro

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"Müller-Seidels Studie ist das unbestrittene Ereignis des Schiller-Jahres 2009." (Die Zeit)
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Februar 1967: WMS nicht nach NRW

Zum Ende der Lehrveranstaltungszeit des Wintersemesters 1966/67 übergaben am 24. 2. 1967 Vertreter der Studierenden an der LMU München dem Staatssekretär Erwin Lauerbach im Bayerischen Kultusministerium eine Petition mit über 2000 Unterschriften: Die Studierenden forderten die Ministerialen auf, alles dafür zu tun, dass Walter Müller-Seidel als Hochschullehrer der Universität München erhalten bleiben und nicht einem der Rufe folgen möge, die ihn aus den nordrhein-westfälischen Universitäten in Köln und Münster erreicht hatten.

Der Aufforderung an das Ministerium war zuvor Nachdruck verliehen worden durch eine ‚Solidaritätskundgebung’ für den hochgeschätzten Germanisten in der letzten Semesterstunde seiner literaturgeschichtlichen Vorlesung, die ein ungewohntes Bild bot: Mit einer großen Zahl von Studierenden hatten sich die Professoren und Wissenschaftlichen Mitarbeiter des Münchener Instituts für deutsche Philologie als Hörer eingefunden. Am Schluss der Vorlesung erging an den Vortragenden die dringliche Bitte, dass er dem Ruf nach NRW nicht folgen möge – verbunden mit der Erwartung, dass das Kultusministerium alles ihm Mögliche zur „Rufabwendung“  und zum Erhalt der besonderen wissenschaftlichen Qualität der LMU beitragen solle. Die Münchener Tagespresse berichtete zum Geschehen.

Dieses akademische Ereignis griff rund 40 Jahre später Thomas Steinfeld im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung für seinen Beitrag zum 90. Geburtstag von Walter Müller-Seidel auf: „Eine solche Universität, solche Studenten, eine solche Bereitschaft, die Universität als gemeinsames Anliegen von Lehrenden und Lernenden zu behandeln, gibt es zumindest in Deutschland schon lange nicht mehr. Es muss sie vielleicht auch nicht geben, sie passen womöglich nicht zu zeitgemäßen Anforderungen an Exzellenz und Professionalität. Und doch ist jene Notiz nur mit einem Bedauern zu lesen. Denn zu einer solchen Universität gehört auch ein solcher Professor: einer, der in der Lage ist, die Lebenswelt seiner Hörer und seiner Leser mit der Literatur zu verknüpfen, der sich dem Publikum zuwendet und nicht willens ist, Forschung und Lehre zu trennen. Und einer, der als Lehrer etwas taugt – was nun wiederum an den ersten beiden Eigenschaften liegt. Ein solcher Professor war Walter Müller-Seidel [...] und er ist es in vielem heute noch.“

Jörg Schönert